Jean-Marc Jossart von Bioenergy Europe über den Erfolg und die Herausforderungen des ENplus®-Systems

Der Generalsekretär von Bioenergy Europe, Jean-Marc Jossart, hat viel über die Geschichte von ENplus® zu berichten. Im folgenden Interview erinnert er sich an die Anfangszeit des Systems und erklärt, wie es heute eine so wichtige Rolle im Markt einnimmt.

Was bedeutet es für Bioenergy Europe, hinter dem internationalen Erfolg von ENplus® nach 15 Jahren Wachstum und globaler Anerkennung zu stehen? Was war damals die Vision für das System, und wie nah kommt die heutige Realität diesen frühen Erwartungen?

Nach 15 Jahren Betrieb bin ich sehr stolz auf die Erfolge von ENplus®. Ich erinnere mich noch genau daran, als mir ENplus® erstmals 2010 vorgestellt wurde. DEPI entwickelte in Deutschland ein System, unter anderem als Reaktion auf minderwertige Importe, die die Funktion von Heizgeräten beeinträchtigten. Da ein solches System nicht isoliert in einem einzigen Land funktionieren konnte, wurden wir gebeten, es auf andere Märkte auszuweiten.

Wir begannen langsam und ohne Finanzierung und stützten uns stattdessen auf einen kleinen Zeitanteil eines Kollegen. Damals war unklar, ob das Projekt überhaupt weitergeführt werden würde. Um die europäische Dimension des Systems anzustoßen, schrieb ich einen europäischen Projektantrag namens PellCert. Ich investierte viel Zeit in dessen Ausarbeitung und versäumte sogar meine gesetzliche Pflicht, am Wochenende vor der Einreichung in Belgien zu wählen. Das Projekt wurde angenommen, und diese Finanzierung war entscheidend, um mehr als zehn Pelletverbände zu unterstützen – sie konnten Personal einstellen, Treffen organisieren und eine Website aufbauen.

Das System wuchs über mehr als zehn Jahre hinweg jährlich um 10 %, übertraf alle Erwartungen und wurde durch die Marktnachfrage angetrieben. Besonders Händler spielten dabei eine wichtige Rolle, da sie verlangten, dass Pelletproduzenten zertifiziert werden, um die Qualität für ihre Endkunden zu optimieren. Der Markt ist zunehmend global geworden, mit inzwischen mehr als 50 Ländern, die am System teilnehmen.

ENplus® ist wirklich eine Teamleistung. Ich bin allen Kolleginnen und Kollegen sehr dankbar, die sich dafür engagiert haben, insbesondere den Direktoren Gilles Gauthier und Elena Dumitru. Gemeinsam mit ihren Teams mussten sie viele Schwierigkeiten überwinden, komplexe Partner managen, umfangreiche Verwaltungsaufgaben bewältigen und zahlreiche weitere Herausforderungen meistern. Ohne sie würde ENplus® heute nicht mehr existieren.


Trotz mehrerer turbulenter Jahre im Pelletmarkt haben sowohl Unternehmen als auch Verbraucher weiterhin Vertrauen in die Zertifizierung gesetzt. Welche Herausforderungen sehen Sie in der Zukunft und wie wird ENplus® diesen begegnen?

Der Markt hatte es im letzten Jahrzehnt sicherlich nicht leicht. Ein großer Einschnitt war der Krieg in der Ukraine und das anschließende Verbot russischer Importe, obwohl weiterhin Gas floss. Der Preisanstieg Ende 2022 schadete dem Ruf von Pellets bei den Endverbrauchern. Glücklicherweise war der Markt jedoch ausreichend diversifiziert, um dies auszugleichen, und inzwischen hat er sich erholt.

Dennoch bleiben Herausforderungen bestehen. Durch den Klimawandel werden die Winter milder, wodurch der Gesamtverbrauch sinkt und Probleme bei der Lagerhaltung entstehen. Pelletproduzenten möchten teure Lagerbestände minimieren, doch zu geringe Vorräte können bei plötzlicher Kälte zu Lieferengpässen und Preisschwankungen führen. Die Lagerverwaltung ist derzeit weiterhin problematisch.

Eine weitere Herausforderung ist die Gesetzgebung. Die Wahrnehmung von Bioenergie bei europäischen Entscheidungsträgern ist nicht optimal. Bioenergy Europe sieht sich zunehmend mit nachteiligen Regelungen konfrontiert, etwa zu Kaskadennutzung, Nachhaltigkeitskriterien, Ökodesign-Standards und Energiekennzeichnung.

Dennoch bleibe ich optimistisch. Die Pelletpreise sind im Allgemeinen wettbewerbsfähig, abhängig von den Schwankungen fossiler Brennstoffe und den Steuerpolitiken der einzelnen Länder. Strom ist teuer und wird es aufgrund des Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage vermutlich bleiben. Trotz Klimawandel bleibt der Heizbedarf hoch, da umfassende Gebäudesanierungen nur langsam vorankommen. Dank ENplus® ist die Pelletqualität zuverlässig genug, um das Vertrauen der Verbraucher zu sichern.


Sie sind selbst Pelletnutzer. Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen (und spielt ENplus® bei der Auswahl Ihres Lieferanten eine Rolle 🙂)?

Als Teilzeit-Landwirt lebe ich in einem alten Bauernhaus, das nicht besonders gut isoliert ist. Seit fast 20 Jahren nutze ich einen Pelletkessel für die Zentralheizung, ergänzt durch einen Pelletofen in einem Raum und einen Holzofen in einem anderen. Ich bin äußerst zufrieden. Der automatische Betrieb und die Fernsteuerung der Pelletanlagen sind entscheidende Vorteile gegenüber Scheitholz, das zwangsläufig Schmutz im Raum verursacht.

Ich kaufe sowohl lose als auch abgepackte Pellets – unter der strikten Voraussetzung, dass sie ENplus®-zertifiziert sind. Die Lieferfahrzeuge sind technisch einwandfrei, aber ich bin bei der Lieferung anwesend, um den Umgang des Fahrers zu überwachen, da dieser die Qualität erheblich beeinflussen kann.

Dank meiner Photovoltaik- und Solarthermieanlagen bin ich stolz darauf, dass mein Haus seit Jahren klimaneutral ist – vor allem dank Bioenergie.


Wenn Sie eine Botschaft an Unternehmen und Verbraucher senden könnten, die ENplus® seit 15 Jahren unterstützen, was würden Sie sagen?

Vielen Dank an die Unternehmen, die an die Pelletbranche glauben und Qualität in den Vordergrund stellen. Durch die Zusammenarbeit entlang der gesamten Lieferkette – von Biomasseproduzenten bis hin zu Endverbrauchern – haben wir eine erneuerbare Alternative zu fossilen Brennstoffen für das Heizen geschaffen, die weit verbreitet, komfortabel, zuverlässig und kosteneffizient ist.

Das ENplus®-Team in Brüssel ist weiterhin hoch motiviert, die Pelletbranche zu unterstützen. Ich möchte daher Unternehmen und Verbrauchern versichern, dass Bioenergy Europe sich auch künftig für mehr Marktstabilität und eine stärkere institutionelle Unterstützung von Holzpellets auf EU-Ebene einsetzen wird.