Zertifizierung, die Vertrauen schafft: Die Entwicklung von ENplus®

Jaroslav Tymrak im Interview über das ENplus®-System im Wandel der Zeit

Als Forstingenieur und Zertifizierungsexperte hat Jaroslav Tymrak eine zentrale Rolle bei der Gestaltung und Weiterentwicklung des ENplus®-Systems gespielt. Im folgenden Interview erklärt er, warum jede Zertifizierung regelmäßig aktualisiert werden muss und was ENplus® zu einem der besten Systeme am Markt macht.

Bitte erzählen Sie uns etwas über Ihren beruflichen Werdegang und Ihre Erfahrung. Wie sind Sie in die Welt der Zertifizierung gekommen?

Ich bin Forstingenieur und hatte bereits relativ früh in meiner beruflichen Laufbahn die Möglichkeit, an der Entwicklung eines Waldzertifizierungssystems in der Tschechischen Republik mitzuwirken. Kurz darauf war ich für die technische Einheit bei PEFC International verantwortlich, einem der beiden führenden Waldzertifizierungssysteme.

Eine der wichtigen Erkenntnisse aus dieser Zeit war, dass Tätigkeiten wie Standardsetzung, Konformitätsbewertung, Zertifizierung oder Akkreditierung eigenen Regeln folgen. Diese Regeln werden vor allem von Organisationen wie der Internationalen Organisation für Normung (ISO) entwickelt und durch das International Accreditation Forum (IAF) oder die Europäische Kooperation für Akkreditierung (EA) gefördert.

Nach meinem Ausscheiden bei PEFC habe ich mein eigenes Beratungsunternehmen aufgebaut, mit Schwerpunkt auf der Forst- und Holzverarbeitungsbranche. Dabei beschäftige ich mich insbesondere mit Lieferkettenzertifizierung, Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen, Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeitsberichterstattung. Außerdem unterstütze ich Branchenverbände oder Multi-Stakeholder-Organisationen bei der Entwicklung sektorspezifischer Standards und Zertifizierungssysteme – wie etwa ENplus®.


Sie waren an der ENplus®-Revision beteiligt und sind weiterhin in Verbesserungen des Zertifizierungssystems eingebunden. Was ist für Sie der herausforderndste Aspekt dieses Prozesses?

Als ich zu Beginn eingeladen wurde, an der umfassenden Revision des ENplus®-Systems mitzuwirken, lautete meine zentrale Botschaft: „Versucht nicht, das Rad neu zu erfinden.“ Zertifizierung und Akkreditierung folgen international anerkannten Regeln, und es ist im Interesse aller – sowohl der Anwender als auch der Verbraucher –, sich an diese Regeln zu halten.

Die zweite Herausforderung bestand darin, den Geltungsbereich von ENplus® klar zu definieren und festzulegen, welche Aspekte von Holzpellets durch die ENplus®-Zertifizierung abgedeckt werden sollen. Es wurde entschieden, dass das ENplus®-Label Vertrauen in die technischen Eigenschaften und die Leistung von Pellets schaffen soll. Andere Themen, wie Nachhaltigkeit und Umweltauswirkungen, sind ebenfalls wichtig. Aufgrund ihrer Komplexität würden sie jedoch einen eigenen Standard oder ein eigenes Zertifizierungssystem erfordern.

Die dritte Herausforderung bestand darin, alle Anforderungen so zu formulieren, dass sie klar definieren, was ein Unternehmen tun muss – und gleichzeitig auditierbar sind.


Die Einführung von Änderungen kann von manchen Systemnutzern als unnötig wahrgenommen werden. Warum sind Aktualisierungen eines Systems wie ENplus® aus Ihrer Sicht notwendig?

Grundsätzlich sollten jedes Zertifizierungssystem und jeder Standard regelmäßig überprüft werden. Sie müssen sowohl auf externe Faktoren reagieren – etwa sich verändernde Bedürfnisse von Kunden und Verbrauchern – als auch aus der Zertifizierungspraxis selbst lernen. Kein Standard ist perfekt.

Auch ENplus® erhält Rückmeldungen von allen Beteiligten – von Unternehmen und Zertifizierungsstellen –, führt eigene Marktüberwachung durch und sammelt Erfahrungen. Ab einem bestimmten Punkt müssen diese Erfahrungen in eine Aktualisierung der Standards einfließen.

Typischerweise sollten Standards etwa alle fünf Jahre überprüft werden, um festzustellen, ob sie die vorgesehenen Ziele noch erfüllen. Ist dies nicht der Fall, sollten sie überarbeitet werden. Gleichzeitig benötigen Unternehmen aber auch Stabilität. Es ist daher nicht ratsam, die Regeln zu häufig zu ändern.

Zertifizierung ist ein anspruchsvoller und kostenintensiver Prozess. Deshalb ist es wichtig, auch kritische Fragen zu stellen, etwa: „Wie trägt diese Anforderung zu besseren Pellets bei?“ Akkreditierungsstellen verwendeten einmal den Leitsatz „Results matter“ – also: Ergebnisse zählen. Damit sollte unnötige Bürokratie vermieden und die Bewertung auf jene Bereiche konzentriert werden, die tatsächlich einen klaren Einfluss auf die Ergebnisse haben.


Wie bewerten Sie ENplus® im Vergleich zu anderen Systemen am Markt nach der letzten Revision und der Einführung der zweiten Ausgaben der Dokumente ST 1001 und ST 1003?

Das übergeordnete Ziel eines Zertifizierungssystems ist es, Vertrauen bei Kunden und Verbrauchern zu schaffen. Einige Merkmale des ENplus®-Systems bilden eine besonders starke Grundlage für dieses Vertrauen:

ENplus® ist das einzige Pellet-Zertifizierungssystem, das sich klar an ISO-Normen für Zertifizierung orientiert und mit der „offiziellen“ Akkreditierung abgestimmt ist. Zertifizierungsstellen und Prüflabore werden von unabhängigen Akkreditierungsstellen kontrolliert, die weder mit dem Systemeigner noch mit der Pelletbranche verbunden sind.

ENplus® ist international tätig und bietet Lösungen zur Erleichterung des internationalen Pellethandels. Dies trägt zum Ziel bei: „Einmal zertifiziert, überall anerkannt.“

ENplus® verfügt über eine starke nationale Präsenz. Nationale Lizenzgeber in wichtigen Ländern sind entscheidend, um technische Unterstützung zu leisten und das System zu fördern. Gleichzeitig liefern sie wichtiges Feedback für die Weiterentwicklung und Steuerung des Systems.

ENplus® hat eine sehr starke Governance-Struktur entwickelt. Hinter den Kulissen wird umfangreiche Arbeit geleistet: Daten werden gesammelt, Zertifizierungsstellen überwacht, Marktüberwachung durchgeführt und Betrugsfälle untersucht, bei denen das ENplus®-Label ohne Zertifizierung missbräuchlich verwendet wird.